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KBV-Messe 2012

KBV Messe Versorgungsinnovation (Februar 2012)

Bundesminister Bahr unter Netzwerkern: v.l.: Dr. Carsten Jäger, Dr. Veit Wambach, Dr. Bernhard Gibis, Daniel Bahr (© KBV)

„Wir dürfen einfach nicht krank und pflegebedürftig werden.“ Mit diesem düsteren Zukunftsszenario empfing die ehemalige Bundesfamilienministerin, Dr. Ursula Lehr, die Besucher am Vorabend der diesjährigen KBV Messe Versorgungsinnovation bei einer Podiumsdiskussion um die Zukunft der wohnortnahen Versorgung. Die steigende Morbidität einer alternden Bevölkerung einerseits und die rückläufigen Arztzahlen im niedergelassenen Bereich andererseits unterstützen die These der 82-Jährigen, wie KBV-Chef Dr. Andreas Köhler sekundierte. Und damit nicht genug. Dr. Johannes Thormälen, der für die Kassenseite in der Diskussionsrunde saß, goss weiteres Öl ins Feuer: „Die heutige Qualität der wohnortnahen Versorgung wird unter den Bedingungen des demografischen Wandels nicht zu halten sein.“ Daher würde man nicht um eine stärke Vernetzung in neuen Versorgungsformen umhin kommen.

Dass in diesem Punkt bei den Protagonisten des Gesundheitswesens mittlerweile weitgehende Einigkeit herrscht, verdeutlichte der Auftritt von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr zur eigentlichen Eröffnung der Veranstaltung am darauffolgenden Tag: „Der Arzt als Einzelkämpfer ist Vergangenheit“, sagte der Minister. Die Netze böten genau den Wettbewerb, den der Kollektivvertrag jetzt brauche. Sonst werde er träge. Die Kooperationen in den Regionen leisteten dabei auch bei der notwendigen Überwindung der Sektorengrenzen, beispielsweise durch die Zusammenarbeit mit Kliniken, essentielle Pionierarbeit. Das, forderte Bahr, solle auch von den Krankenkassen anerkannt werden. Der FDP-Mann rief die Kassen auf, in vernetzte Strukturen zu investieren und neue Versorgungsformen zu fördern. Die Zusammenarbeit mit einem Gesundheitsverbund könnten die Kassen als Benefit für ihre Versicherten herausstellen und damit für sich werben. Und auch für die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) sowie die KBV lohne es sich, verstärkt auf Kooperationen zu setzen. „Der Tanker KV kann von den Schnellbooten Netze lernen“, verdeutlichte Bahr.

So erfreulich die Unterstützung der Selbstverwaltung für Praxisnetze ist, so deutlich zeigte sich im Fachforum „Neustart für Netze?“, dass es für die Netzidee nach wie vor dicke Bretter zu bohren gibt. Dort lobte Karl-Heinz Schönbach vom AOK-Bundesverband zwar die kooperativen Strukturen und ihr Potenzial, die komplexen Probleme der zukünftigen Gesundheitsversorgung zu lösen. Gleichzeitig ließ der Geschäftsführer Versorgung des AOK-Verbandes keinen Zweifel daran, dass auch noch im Jahr 2012 nicht unerhebliche Vorbehalte gegenüber den Netzen auf Kassenseite bestehen. So unterstütze die AOK im Rahmen des neuen Paragrafen 87b SGV V Zuschläge für gut entwickelte Praxisnetze. Ein aus der Gesamtvergütung herausgelöstes Budget möchte Schönbach den Kooperation jedoch nicht gewähren. Hier müsse nach Ansicht des Kassenmanns aus ordnungspolitischen Gründen die Bremse gezogen werden. Auf die dafür notwendige Änderung des Gesetzestextes wirkten die Kassen hin. Ziel sei es, so Schönbach, spätestens ab 2013 Förderungen künftig nur im Einvernehmen statt im Benehmen mit den Krankenkassen zu verteilen – eine semantische Spitzfindigkeit mit weitreichenden Folgen. Außerdem bestünde durch Mengen- und Verlagerungseffekte die Gefahr des Missbrauchs, wie Schönbach betonte.

Solchen Vermutungen stellte sich Dr. Veit Wambach, Vorstandsvorsitzender der Agentur deutscher Arztnetze und des Gesundheitsnetzes Nürnberg QuE, entgegen: „Ärzte in Netzen sind nicht aufs schnelle Geld aus.“ Befragungen der QuE-Netzärzte hätten dies eindeutig gezeigt. Im Mittelpunkt stünde die nachweislich verbesserte Patientenversorgung und nicht etwa eine optimierte IGeL-Vermarktung, wie Schönbach zuvor für Teile der Netze gemutmaßt hatte.

Deutlich sachorientierter gestaltete sich das Fachforum der Netzagentur, die die Versorgungsmesse in diesem Jahr als Kooperationspartner der KBV begleitete. Eingeladen hatte der Agentur-Vorstand den KBV-Dezernatsleiter für Verträge und Verordnungsmanagement, Dr. Bernhard Gibis. Dieser machte vor dem gut besuchten Auditorium deutlich, wie viel Arbeit bis zum geplanten Förderungsstart im Januar 2013 ansteht. So komme es vor allem auf die Ausgestaltung der Förderkriterien für Netze an – auf Bundesebene und in den Länder-KVen. Dennoch zeigte sich Gibis optimistisch. Die Netze könnten eine Antwort auf die bedenkliche Zersplitterung der Ärzte in derzeit 34 Fachgruppen sein. Weiter noch ging Dr. Wambach, als gefragt wurde, wie viele KVen letztlich mitspielen und vernetzte Strukturen in den Regionen fördern würden. Wambach: „Es muss einfach passieren, weil es notwendig und die Netzidee in Wissenschaft und Politik Konsens ist.“ Man müsse jedoch viel Geduld haben, sagte Dr. Wambach. So sei es wie mit der Nürnberger Eisenbahn. Sie wurde erst mit Argwohn betrachtet und später ein großer Erfolg.