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ADA/KBV-Netzkonferenz „Digitalisierung in Arztnetzen – Praxisbeispiele und Lösungen für die Versorgung der Zukunft“ am 4. Mai 2018 in Berlin

Das Thema Digitalisierung prägt derzeit zahlreiche Debatten im Gesundheitsbereich und gilt als eines der Schwerpunktthemen der aktuellen Legislaturperiode. Auch die anerkannten Praxisnetze in Deutschland stellen sich der Herausforderung und integrieren digitale Anwendungen in die Versorgung. „Praxisnetze sind prädestiniert, innovative Lösungsansätze für Versorgungsprobleme mit Hilfe digitaler Anwendungen auf regionaler Ebene mit zu entwickeln und auszuprobieren“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Agentur deutscher Arztnetze, Dr. Veit Wambach in seinem Begrüßungsstatement. Denn professionelle Arztnetze würden aufgrund ihrer Struktur, des bereits vorhandenen Austauschs und ihrer oftmals großen Innovationsbereitschaft einen guten Raum für die Entwicklung innovativer Anwendungen bieten. So würden zahlreiche verschiedene digitale Lösungen bereits in Arztnetzen im kleinen Rahmen auf regionaler Ebene praktisch umgesetzt und erprobt.

Untermauert wurde dies durch die Vorstellung innovativer (Netz-) Projekte. Christian Klose, CDO Digitales Innovationsmanagement bei der AOK Nordost stellte die Elektronische Patientenakte der AOK Nordost vor, deren Umsetzung im Haffnet in Mecklenburg-Vorpommern gestartet ist. Klose: „Die Zerklüftung von Gesundheitsinformationen hemmt die Versorgung – Plattformen auf Basis neuer digitaler Standards können das verbessern. Ein zentrales Problem in der deutschen Gesundheitsversorgung ist die geringe Abstimmung zwischen den einzelnen Beteiligten am Versorgungsgeschehen. Das liegt sowohl an der sektoralen Struktur des Gesundheitswesens, aber auch daran, dass wesentliche behandlungsrelevante Informationen des Patienten nicht für alle Beteiligten verfügbar sind. Die medizinische Versorgung kann auf Basis besseren Informationsaustauschs deutlich zielgerichteter und besser abgestimmt erfolgen. Auch der Patient kann auf Basis vollständiger Informationen mehr Eigenverantwortung übernehmen.“ Die ersten Anwendungen der Patientenakte stehen aktuell etwa 8.000 AOK-Versicherten zur Verfügung.

Mark Kuypers vom ADA-Mitgliedsnetz Solimed stellte die elektronische Patientenakte (ePA) und den elektronischen Pflegebericht des Netzes vor. Mit seiner elektronischen Patientenakte sind die Mitglieder des Netzes bereits seit 2008 miteinander verbunden. Rund 25.000 Patienten nutzen die elektronische Patientenakte bereits. Die patientenbezogenen Daten und Informationen werden dafür mit Hilfe der EDV-Systeme und einer gemeinsamen Schnittstelle ausgetauscht. Um die Zusammenarbeit zwischen Pflege, Praxen und Krankenhäusern zu verbessern, wird die Anwendung nun im Rahmen des Projektes „solimed ePflegebericht – Sektorenübergreifendes Versorgungsmanagement für pflege-bedürftige geriatrische Patientinnen und Patienten durch nutzen-orientierte Erprobung eines elektronischen Pflegeberichts“ optimiert und erweitert. Das Projekt wird durch das Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln in Höhe von 4,8 Mio. Euro gefördert und läuft bis Ende Februar 2020. Eingebunden sind 70 niedergelassene Ärzte, drei Krankenhäuser, drei stationäre Pflegeeinrichtungen mit acht Häusern und mobile Pflegedienste. Mark Kuypers: „Durch die Einbindung aller Akteure wird die Kommunikation und Abstimmung zwischen Medizin und Pflege einfach, schnell und sicher. Dadurch soll die Patientensicherheit erhöht werden. Die Interoperabilität ist dabei gewährleistet und ermöglicht die Überführung in die Regelversorgung. Damit könnte der ePflegebericht ein Prototyp für die deutsche Gesundheits-IT sein.“

Einen anderen Weg, Patienten und Ärzte sowie das Ärztenetz mit seinen Mitgliedern optimal zu vernetzen, stellte Constanze Liebe vom Ärztenetz Lippe vor. Mit der „App zum Doc“ sollte für alle Beteiligten eine Plattform geschaffen werden, auf der sie Dokumente sicher tauschen, Service-Angebote und Mehrwertdienste wie Angebote zur Prävention veröffentlichen und zeitgemäß kommunizieren können. „Entstanden sind unterschiedliche Produkte für die unterschiedlichen Teilnehmerkreise, die sie je nach Bedarf nutzen können“, so Constanze Liebe. Mit Hilfe der Anwendung können Patienten beispielsweise bequem ihren Medikationsplan auf ihr Smartphone laden oder mobil den nächsten Arzttermin vereinbaren. Mittlerweile nutzen zehn Praxisnetze die IT-Lösungen, sieben weitere Netze evaluieren aktuell den Einsatz. Insgesamt sind mehr als 1.000 Arztpraxen aktiv mit einem Basis- oder Komplett-App-Eintrag vertreten.

Eine telemedizinische Anwendung stellte Dr. Christian Flügel-Bleienheuft vom Gesundheitsnetz Köln Süd vor. Im Rahmen des Innovationsfonds-Projektes TELnet@NRW zum rationalen Einsatz von Antibiotika kommt die elektronische Visite (elVi) zum Einsatz. Beteiligt sind das Ärztenetz MuM, Medizin und Mehr eG, Bünde, das GKS –Gesundheitsnetz Köln Süd e.V. sowie die Unikliniken in Aachen und Münster sowie 17 Krankenhäuser. Durch den Einsatz der Telemedizin soll in dem Projekt der Einsatz der infektiologischen, ärztlichen Kompetenz ermöglicht werden, indem niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bei Bedarf über die elektronische Visite eine Zweitmeinung eines Klinikarztes einholen können. „Das Ziel ist, Engpässe in der medizinischen Versorgung zu reduzieren, indem unterschiedliche und räumlich entfernte Leistungserbringer zusammen gebracht werden können. Dadurch werden Behandlungsprozesse zeitlich optimiert und Komplikationen können durch schnellere Entscheidungen und unkomplizierte Überprüfungen reduziert werden“, so Dr. Flügel-Bleienheuft.

Dr. Bernhard Tenckhoff, Abteilungsleiter Innovation, Strategische Analyse und IT-Beratung bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) forderte in seinem Vortrag Praxisnetze auf, weitere innovative Projekte durchzuführen. Er stellte die KBV-Zukunftspraxis vor – ein Projekt, mit dem die Kassenärztliche Bundesvereinigung einen Ideenwettbewerb zur Etablierung und Evaluation digitaler Dienste in Arztpraxen gestartet hat. Dazu sollen innovative digitale Dienste und Dienstleistungen, die dazu geeignet sind, den Alltag in den Arztpraxen nachhaltig zu verbessern identifiziert und gefördert werden. Im Rahmen des Ideenwettbewerbs werden Produkte gesucht, begleitet und ausgewählt. Diese sollen anschließend unter Echtbedingungen im ambulanten Praxisbetrieb getestet und evaluiert werden. Dr. Tenckhoff forderte die Netze auf, sich mit ihren Mitgliedspraxen als KBV-Zukunftspraxen, in denen die Projekte umgesetzt werden, zu bewerben.

Schließlich stellte Dr. Sandra Hérault, Projektmanagerin bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) geförderte Telemedizin-Projekte im Bereich der KVB vor. „Telemedizin ist kein Allheilmittel und muss mit Bedacht genutzt werden“, so die Referentin. „Sie darf den Arzt-Patientenkontakt nicht ersetzen, kann jedoch eine unterstützende Funktion einnehmen. Telemedizinische Lösungen werden von der Ärzteschaft dann unterstützt, wenn sie zu einer höheren Qualität der Versorgung beitragen und wenn sie Praxisabläufe effizienter machen. Die Ärzteschaft muss deshalb eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung einnehmen.“ Seit 2016 wurden elf Praxisnetzprojekte von der KVB gefördert, davon sechs telemedizinische Projekte. „Die Netze erhalten eine Förderung aus dem Strukturfonds und werden somit unterstützt, innovative Versorgungsprojekte zu entwickeln und so die Versorgung vor Ort zu optimieren“, so Dr. Hérault.

Ergänzt wurde die Veranstaltung durch eine Diskussionsrunde zur Rolle der Arztnetze bei der Digitalisierung. Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Veit Wambach, Vorstandsvorsitzender der Agentur deutscher Arztnetze e.V., Dr. Karsten Neumann, Senior Advisor des Competence Center Digital der Roland Berger GmbH und Florian Schlehofer, Clustermanager der Gesundheitsregion Berlin/Brandenburg diskutierten zum Thema „Praxisnetze: Innovatoren oder Inkubatoren“. Darin betonte ADA-Vorstandsvorsitzender Dr. Veit Wambach, dass Praxisnetze ideale Versuchslabore für neue Versorgungsformen, auch digital gestützte, seien. Um die Vorteile, die Arztnetze bieten, noch besser nutzen zu können, hoffe er deshalb auf eine Berücksichtigung hinsichtlich der Forderungen an die Politik insbesondere nach einem MVZ-Gründerstatus für Arztnetze noch in dieser Legislaturperiode.

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App zum Doc 7470 KB Download
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elektronischer Pflegebericht 1220 KB Download
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Elektronische Patienteninformationen der AOK Nordost im Haffnet 1442 KB Download
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elektronische Visite (elVi) 1075 KB Download
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KBV-Zukunftspraxis und Start up-Förderung 1049 KB Download
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Projektförderung der anerkannten Praxisnetze durch die KV Bayerns 1122 KB Download