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115. Deutscher Ärztetag

115. Deutscher Ärztetag Nürnberg (Mai 2012)

Heimspiel in Nürnberg: Dr. Veit Wambach vor den Delegierten. (© Gebhardt)

Sie sei zwar kein Auslauf-, aber auch kein Zukunftsmodell mehr, rief Dr. Max Kaplan den Delegierten zu. Gemeint war die Einzelpraxis, wie sie Jahrzehnte die ambulante Versorgung maßgeblich prägte. Ohne Kooperationen gehe es in Zukunft jedoch nicht mehr, ermahnt der Vizepräsident der Bundesärztekammer die Anwesenden beim 115. Deutschen Ärztetag in Nürnberg. Obwohl das Plenum schließlich einen Antrag zur stärkeren Förderung von Kooperationen mit großer Mehrheit verabschiedete, meldeten sich auch netzkritische Stimmen zu Wort. Netze und Netzverträge, so die Befürchtung, führten die Ärzte in neue Abhängigkeiten und taugten nicht, die Versorgungsprobleme auf dem Land zu lösen. Neben der Würdigung, die den Kooperationen durch die Thematisierung zuteil wurde, blieb nach Nürnberg so auch die Einsicht, dass noch viel Überzeugungsarbeit für die Netzidee zu leisten ist.

Dass die Zusammenarbeit von Arztpraxen, Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen viele Vorteile bringen kann, veranschaulichte Dr. Veit Wambach, der stellvertretende Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes und Vorsitzende der Agentur deutscher Arztnetze, den Delegierten anhand seines Gesundheitsnetzes Qualität und Effizienz eG. Auf lokal verschiedene Morbiditätsfaktoren müsse grundsätzlich auch lokal und damit flexibel reagiert werden. Dazu eigneten sich Netze bestens, da sie Angebotsstrukturen schafften, die sich an dem orientierten, was vor Ort wirklich gebraucht werde. Sei eine Kooperative gut auf die jeweilige Region eingestellt, erklärte Wambach, ließe sich die Versorgungsqualität nachweislich verbessern. Nebenbei steige die Berufszufriedenheit unter den vernetzten Medizinern, wie Mitgliederbefragungen ergeben hätten.

Entscheidend für den Erfolg eines Netzes, so Wambach, sei ein hoher Grad an Verbindlichkeit unter den Netzärzten sowie ein funktionierendes Qualitätsmanagement. „Unsere Qualitätszirkel sind gut besucht“, freute sich der Netzagentur-Vorsitzende. Die dort getroffenen Vereinbarungen, beispielsweise zu Blutdruck- und Blutzuckerwerten oder zur Therapietreue bei Arzneimitteln, gäben später Auskunft über den Erfolg der Netzarbeit. Zudem sei die Weiterempfehlungsrate der teilnehmenden Ärzte hoch. Mehr als 90 Prozent würden die Netzarbeit auf jeden Fall oder mit Einschränkungen ihren Kollegen empfehlen. Wambach: „Die Zukunftsperspektive treibt Kollegen um, in Netze einzusteigen.“ Neben dem fachlichen und menschlichen Austausch, schätzten die Ärzte vor allem die optimierte Patientenversorgung sowie die höhere berufliche Flexibilität, die die Kooperationen böten. Was bislang fehlte, so Dr. Wambach, sei eine einheitliche Interessenvertretung der Netze in Berlin gewesen. Nur logisch erscheint deshalb der Entschluss des Franken, die Gründung einer Netzagentur voranzutreiben. Wambach: „In der Agentur deutscher Arztnetze sind alle derzeit 22 Mitglieder gleichberechtigt und im Sinne einer Bottom-up-Entwicklung beteiligt.“ Erste Erfolge lägen auf dem Tisch: Erfüllten sie bestimmte Kriterien, könnten Netze zukünftig auch im Kollektivvertragssystem gefördert werden, sagte Dr. Wambach.

Doch nicht nur in Netzen arbeiten Ärzte zusammen. Die Palette der Kooperationsmöglichkeiten sei bereits heute vielfältig, wie Max Kaplan betonte. Sie reiche von der Gemeinschaftspraxis, über die Versorgungspraxis, dem Regionalen Versorgungszentrum bis hin zum Ärztenetz. Insgesamt bestehe dringender Handlungsbedarf, da sich die Patientenversorgung künftig nur über kooperative Strukturen sicherstellen lasse. Die junge Ärztegeneration, so Dr. Kaplan, solle die vorhanden Chancen nutzen: „Bitte gehen Sie in die Kooperation.“

Der Elan des Präsidenten der Bayrischen Landesärztekammer verfing jedoch nicht bei allen Delegierten. Mit ihrer Blaupause für Netzverträge der zweiten Generation hatte die AOK Bayern im Vorfeld des Ärztetags einen nicht unwesentlichen Teil dazu beigetragen. Die Vorlage sieht weitgehende Mitspracherechte für die Kasse vor – von der Auswahl der Netzärzte bis zur Frage, welches IT-System im Netz laufen soll. Das Angebot, so Kaplan kurz vor dem Ärztetag, sei daher „leider ein Knebelvertrag“. Die Kritik der Delegierten folgte auf dem Fuß. Die Mitgliedschaft im Netz dürfe nicht zur Abhängigkeit von der Kasse führen.

Auch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) trübten die Aufbruchstimmung. Am deutlichsten formulierte Wolfgang Krombholz, KV-Chef in Bayern, seine Vorbehalte: „Die Sicherstellung sehe ich nicht in Netzen, sondern in der Stärkung der Hausarztpraxen.“ Der AOK-Vertrag komme darüber hinaus einer verkappten Anstellung gleich. In die gleiche Kerbe schlug Dr. Burkhardt John, Vorsitzender der KV Sachsen-Anhalt. Ihm sei die Diskussion zu netzlastig. Die KV könne mehr Aufgaben übernehmen und den Versorgungsproblemen auf dem Land besser begegnen.