„Tag der Netze“ in Berlin - Netz-Verantwortliche begrüßen Initiative des NAV-Virchow-Bundes, Netze bundesweit zu vernetzen
Berlin (JB) - In Deutschland gibt es viele gut funktionierende Ärztenetze, die meist jedoch nur regional aktiv sind. Angesichts der Veränderungen in der Versorgungslandschaft erachtet es der NAV-Virchow-Bund als erforderlich, diese Netze miteinander zu vernetzen – um Kräfte zu bündeln, Wirtschaftlichkeitsreserven zu heben, Know-how auszutauschen und sowohl den Kassen als auch den Klinikkonzernen eine starke Verhandlungsmacht entgegensetzen zu können. Um herauszufinden, inwieweit Bedarf besteht, dass der NAV-Virchow-Bund die Netze unterstützt, hat der Verband die Vorstände der führenden Ärztenetze zu einem Workshop nach Berlin geladen.
Referentin Gabriele Prahl, die als Geschäftsführerin der GfG Gesellschaft für Gesundheitsökonomie & -management mbH in Hamburg selbst ein etabliertes Ärztenetz betreut, konnte aus ihrer Arbeitspraxis berichten, dass die meisten Netzärzte ihre Einzel- oder Gemeinschaftspraxen behalten wollen. Viele Niedergelassene seien aufgrund der rasanten Veränderungen im Gesundheitswesen verunsichert und würden sich – aus Angst – neuen Strukturen verschließen. Dabei bringe die Gesundheitsreform auch Chancen für niedergelassene Ärzte mit sich, so Prahl. Als Beispiele nannte sie die neuen Kostenerstattungs(wahl)tarife der Krankenkassen oder die Möglichkeit, innerhalb eines Praxisnetzes ein eigenes MVZ zu gründen. Ihr Fazit: „Nicht die Zeit der Einzelpraxis, aber die Zeit der Einzelgänger ist abgelaufen.“ Insgesamt waren sich die Workshop-Teilnehmer einig, dass die Zukunft der niedergelassenen Ärzteschaft häufig zu schwarz gemalt werden würde. „Der NAV-Virchow-Bund muss zum Positivdenker werden“, forderte Prahl. Der Bundesvorsitzende Dr. Klaus Bittmann sprach sich für Transparenz in der Information und Aufklärung der Ärzte aus. „Man muss sowohl die Chancen als auch die Risiken realistisch aufzeigen“, so Dr. Bittmann.
Die Kooperation mit Ärztenetzen aus Sicht der Krankenkassen stellte Dr. Torsten Hecke, Leiter des Fachreferats Versorgungsmanagement der Techniker Krankenkasse, dar. Er betonte, dass der Abschluss von Verträgen zwischen Kassen und Netzen auf breiter Front, also landes- oder bundesweit, einfacher sei. Zugleich räumte er ein, dass die Versorgung regional stattfände und deshalb regionale Unterschiede berücksichtigt werden sollten. Diese Ansicht teilten auch die Workshop-Teilnehmer, die für den Erhalt regionaler Besonderheiten der Netze bei gleichzeitiger Entwicklung bundesweiter Schlagkraft plädierten.
In seinem Vortrag ging Dr. Hecke ferner auf die Vor- und Nachteile verschiedener Gesellschaftsformen von Ärztenetzen ein. Demnach gibt es Rechtsformen, mit denen sich problemlos Verträge abschließen lassen, beispielsweise die GmbH. Vertragsabschlüsse mit Stiftungen sind aus juristischen Gründen hingegen höchstkompliziert.
Der NAV-Virchow-Bund hat bereits ein Konzept für eine neue Internetplattform entwickelt, die dem Austausch von Netzärzten dienen und alle wichtigen Informationen zu ärztlichen Kooperationsformen bereithalten soll. Wie der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Klaus Greppmeir, erläuterte, ist einerseits ein frei zugängliches Portal für Ärzte, Patienten und die interessierte Fachöffentlichkeit geplant. Darüber hinaus soll es einen passwortgeschützten Bereich geben, in dem Netzärzte ihre Erfahrungen austauschen können. Die Idee einer Internetplattform stieß auf positive Resonanz. Mit der Umsetzung – unter Berücksichtigung der Vorschläge seitens der Teilnehmer – wurde die Bundesgeschäftsstelle des NAV-Virchow-Bundes beauftragt.
Das Angebot des Bundesvorsitzenden, dass sich der NAV-Virchow-Bund als Dienstleister für die Netze sowie als Betreiber eines entsprechenden Internetportals beweisen möchte, wurde von den teilnehmenden Netzen angenommen. Dr. Bittmann betonte, dass er mit diesem Projekt das unternehmerische Denken der niedergelassenen Ärzte und damit deren Zukunftssicherung fördern wolle. Um Ärzte für die Netzidee zu gewinnen, müsse man ihnen aber einen wirtschaftlichen Mehrwert bieten können. Ziel sei es, den Verbund der Netze als starke Anbietermacht zu etablieren, die in Verhandlungen Bedingungen stellen kann und auch als Partner für die Kassen interessant ist.
Über die genaue Ausgestaltung des Projektes werden die teilnehmenden Netze gemeinsam mit dem NAV-Virchow-Bund auf ihrem nächsten Treffen im April beraten. Fest steht bereits, dass die Finanzierung über Verträge, Dienstleistungen und Kooperationen selbst tragend sein soll.