Innovationen im Gesundheitswesen - Vernetzung notwendig

Berlin (JB) - Innovation werde im deutschen Gesundheitswesen durch eine zu starke Spezialiserung und Separierung behindert. Dies hat der ehemalige sächsische Ministerpräsident und heutige Vorsitzende des MetaForums "Innovation im Gesundheitswesen", Prof. Dr. Kurt Biedenkopf, beklagt. Auf einer Pressekonferenz in Berlin kritisierte er, dass die Medizin heutzutage überwiegend als "Reparaturmedizin" betrachtet werde, deren Ziel die Defizitbeseitigung sei. "Wir brauchen einen Paradigmenwechsel hin zu einem ganzheitlichen Ansatz", forderte Prof. Biedenkopf. Dies sei unter anderem durch eine stärkere Kooperation verschiedener Arztgruppen und Professionen zu erreichen. Als positive Beispiele nannte er Ärztehäuser, Medizinische Versorgungszentren und Ärztenetze.

 

"Innovationen werden in der Gesundheitsdiskussion überwiegend produktbezogen und unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten betrachtet", erklärte Prof. Dr. Ilona Kickbusch, ehemalige Direktorin für Gesundheitsförderung der WHO. Sie warb für ein erweitertes Verständnis von Innovation, das sich auch auf Prozesse und Strukturen im Gesundheitswesen erstrecken müsse. Zielführend sei die Vernetzung von Innovationspartnern aus allen Bereichen. 

 

Sowohl Prof. Biedenkopf als auch Frau Prof. Kickbusch plädierten für eine Demokratisierung von Wissen und Information sowie den Abbau kontraproduktiver Hierarchien im Gesundheitswesen. Das gegenwärtige System sei zu passiv und zu stark auf die Versorgung von Patienten ausgerichtet. Beide sprachen sich dafür aus, den Patienten stärker einzubinden, ihn als mündigen Bürger zu behandeln und in seinen Gesundheitsbemühungen zu unterstützen.