Berliner Gesundheitspreis für Nürnberger Netz

Die demografische Entwicklung in Deutschland stellt die Alterspyramide auf den Kopf. Während die Zahl der jungen Menschen sinkt, nimmt der Anteil der älteren Bevölkerung stetig zu. Und alle wünschen sich, so lange wie möglich für sich selbst sorgen und in ihrer gewohnten Umgebung bleiben zu können. Sechs Projekte, die innovative Modelle und zukunftsweisende Versorgungskonzepte zur ambulanten geriatrischen Versorgung entwickelt und umgesetzt haben, sind nun mit dem Berliner Gesundheitspreis 2006 ausgezeichnet worden. „Im hohen Alter zu Hause leben – Herausforderungen für die ambulante medizinische Versorgung“ lautete das Motto des Ideenwettbewerbs, den der AOK-Bundesverband, die AOK Berlin und die Ärztekammer Berlin seit 1995 jährlich gemeinsam ausloben.

 

Die beiden ersten Preise in Höhe von je 12.000 Euro gingen an den Ambulanten Geriatrischen Rehakomplex (AGR) Schönebeck in Sachsen-Anhalt sowie an die Genossenschaft Qualität und Effizienz (QuE) in Nürnberg. Letztere ist eine Weiterentwicklung des Projektes „HomeCare Nürnberg“, das bereits den Berliner Gesundheitspreis 2000 gewann. Das Ärztenetz um Dr. Veit Wambach, engagiertes Mitglied des NAV-Virchow-Bundes, zeigt beispielhaft, wie Kooperation zum Vorteil der Patienten gelingen kann. Etwa 60 Praxen mit 90 niedergelassenen Ärzten sowie rund 7.000 gesetzlich versicherte Patienten beteiligen sich derzeit daran. Die Zielgruppe sind alte und hochaltrige Patienten, deren Verbleib in der gewohnten häuslichen Umgebung gesichert werden soll.

 

Im Mittelpunkt des QuE steht ein ärztlich gesteuertes Case Management. Durch fallbezogene Patientenbetreuung sollen Versorgungsbrüche zwischen Krankenhaus, niedergelassenen Ärzten, Pflege und anderen Leistungserbringern vermieden werden. Betroffene und ihre Angehörigen werden entlastet, indem die drei Case Managerinnen vom Beratungs- und Betreuungsservice „HomeCare Nürnberg“ sämtliche Abstimmungen mit Ämtern, Behörden und Institutionen übernehmen. Eine weitere Besonderheit des QuE besteht darin, dass alle beteiligten Ärzte Budget-Verantwortung für die eingeschriebenen Patienten übernehmen.    

 

Das Projekt des Rehakomplexes Schönebeck ist auf geriatrische Patienten mit komplexem Reha-Bedarf spezialisiert. Ziel ist der Erhalt der Selbständigkeit älterer Menschen und die Vermeidung bzw. Verminderung von Pflegebedürftigkeit. Die wohnortnahe Rehabilitation wird flexibel an die Bedürfnisse der einzelnen Patienten angepasst und findet in ambulanten geriatrischen Schwerpunktpraxen statt. Vor Ort ansässige, speziell geschulte Ärzte übernehmen dabei die Koordination des interdisziplinären Teams, das u.a. aus Ärzten, Physio- und Ergotherapeuten sowie Pflegekräften besteht. Der AGR wurde ursprünglich als Modellprojekt zur integrierten Versorgung von der KV und AOK Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen und seit 1998 vom Bundesgesundheitsministerium gefördert. Seit Juli 2006 wird das Konzept als Rahmenvertrag zur integrierten Versorgung weitergeführt – als erster seiner Art in Deutschland.  

 

Die 12-köpfige Jury zeichnete ausschließlich Projekte aus, die die Lebensqualität älterer Menschen im häuslichen Umfeld verbessern. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren zudem die Akzeptanz seitens der Zielgruppe, die Erreichbarkeit der Angebote, die Übertragbarkeit auf andere Regionen sowie die Begleitung der Projekte durch Qualitätssicherungs- und Evaluationsmaßnahmen. „Der Wert einer Gesellschaft bemisst sich auch daran, wie sie mit ihren Alten umgeht. Mit dem Berliner Gesundheitspreis 2006 wollen wir zugleich zeigen, dass es bereits viele gute Ansätze gibt, alte Menschen in ihrer häuslichen Umgebung zu betreuen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Hans Jürgen Ahrens, im Rahmen der Preisverleihung.

 

Neben den beiden Erstplatzierten wurden das Geriatrie Netzwerk Berlin, die Netzpraxis Mittelmosel, das Projekt „Begleitetes Wohnen e.V.“ aus Dresden und der Trägerverbund Demenz aus Minden mit dem Berliner Gesundheitspreis 2006 ausgezeichnet. Die AOK Niedersachsen erhielt den nicht dotierten Ehrenpreis für das Projekt „Gesund älter werden“.