Ärztenetz Duisburg Süd zufrieden nach Gründung aber nicht mit Honorarsystem und E-Card
Duisburg, 20.03.2009:
Der Verein Ärztenetz Duisburg Süd ist ein halbes Jahr nach seiner Gründung zufrieden mit dem bisher Erreichten. Für Kopfschmerzen bei den Mitgliedern sorgen jedoch die Auswirkungen der Gesundheitsreform bezüglich Honorarmisere und elektronischer Gesundheitskarte.
Rund ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem der Verein Ärztenetz Duisburg Süd (ÄNDS) sich ins Vereinsregister eintragen ließ. Die Zielsetzung fasste damals Hans Kokorsch vom Vorstand des ÄNDS in drei Worten zusammen: "Erhalten, verbessern, verteidigen". Verbessern wollten die Mitglieder die Zusammenarbeit aller in der medizinischen Versorgung tätigen Berufszweige im Süden der Stadt. Die Zusammenarbeit sollte ausdrücklich auch Kliniken, Patientenorganisationen und andere Gesundheitsberufe einschließen. 43 Ärzte gehören mittlerweile dem Netzwerk an.
"Wir wollen durch unsere Vernetzung einen besseren Austausch unter den Fachärzten bewirken. So erhalten wir Kenntnis darüber, welche anderen Ärzte es im Stadtteil gibt und in welcher Form sie sich spezialisiert haben", berichtete jetzt Kokorsch.
Dabei würde man auch als Arzt oft davon überrascht, wie reichhaltig das medizinische Angebot im Süden der Stadt sei. Zudem könnten sich die Mediziner schnell und unbürokratisch miteinander über Patientenprobleme austauschen, die Wichtigkeit einer Untersuchung besser einschätzen und somit den Patienten lange Wege und Wartezeiten ersparen. Doch seit der Gründung des Netzwerkes gebe es weitere Themen, mit denen man sich beschäftigt habe: "Nachdem wir von der Gesundheitsreform und ihren Maßnahmen überrollt wurden, sind wir froh, das wir schon über eine Organisationsform verfügten, in der wir uns austauschen konnten", berichtet Vorstandsmitglied Dr. Albrecht Müller. Der Orthopäde und Unfallchirurg ist, genauso wie seine Kollegen, überhaupt nicht mit dem neuen Honorierungssystem für Fachärzte einverstanden, bei dem nicht nur ein feststehender Betrag pro Patient durch die Krankenkasse abgerechnet, sondern auch die maximale Patientenanzahl pro Quartal durch die Kassenärztliche Vereinigung gedeckelt werde.
"Viele unsere Kollegen können ihre Kosten so nicht mehr alleine mit Kassenpatienten decken und sind gezwungen, am Wochenende zu arbeiten und zusätzlich mehr Privatpatienten anzunehmen."
Auch die geplante elektronische Gesundheitskarte, die mehr Informationen über den Patienten bereitstellen soll, sorgt für Missfallen bei den Duisburger Medizinern. "Das ist ein Schritt, gegen den sich fast alle Ärzte in Deutschland aussprechen und der Anfang des gläsernen Patienten", so Kokorsch. "Die Daten werden ja nicht auf der Karte, sondern auf einem Zentralrechner gespeichert. Das birgt ein riesiges Gefahrenpotenzial", so der Vorsitzende der Hausärzte im Netzwerk. Er rät seinen Patienten, die neue Karte nicht anzunehmen.
Quelle und weitere Informationen: rp-online.de: "Ärzte tauschen sich aus" von Stefan Ossenberg (18. März 2009)