Praxisnetz Neumünster lässt Ärzte auf Augenhöhe verhandeln

Neumünster, 04.12.2008: Das Medizinische Praxisnetz Neumünster (MPN) sieht auch zehn Jahre nach Gründung des Verbundes viele Herausforderungen. Das Netz positioniert sich als regionaler Verhandlungspartner für Kassen und Kliniken.

"Die Gräben zwischen Haus- und Fachärzten sind flacher geworden. Wir haben zu größerer Geschlossenheit gefunden", bilanzierte MPN-Vorstand Dr. Johannes Kandzora bei einer Veranstaltung zum Netzjubiläum in Neumünster.

Mit 87 niedergelassenen Ärzten erreicht das MPN derzeit einen Organisationsgrad von rund 75 Prozent. Netzvorstand Dr. Axel Schroeder sieht den Verbund künftig stärker gefordert denn je. Ziel sei es, das Netz als regionalen Verhandlungspartner für Kliniken und Kassen zu positionieren.

"Durch das Netz sind wir regional auf Augenhöhe und scheuen keine Konkurrenz", sagte Schroeder. Dies hat sich bei den Verhandlungen um ambulante Leistungen des örtlichen Krankenhauses nach Paragraf 116 b SGB V ausgezahlt. "Jetzt zeigt sich, dass die Gründung vor zehn Jahren richtig und vorausschauend war", sagte Dr. Schroeder im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

In der zehnjährigen Arbeit gab es Höhen und Tiefen. Nach der Euphorie zur Gründung und einem von der KV unterstützten Strukturvertrag mit der AOK Schleswig-Holstein hatte das Netz zeitweilig rund 100 Mitglieder und damit fast alle niedergelassenen Ärzte der Stadt erfasst. Die Motivation zur Mitarbeit bröckelte, als die Strukturverträge gekündigt wurden und die Integrierte Versorgung (IV) noch in den Kinderschuhen steckte.

In den vergangenen Jahren ist die Einsicht der Ärzte in die Notwendigkeit regional starker Verbünde nach Beobachtung Dr. Schroeders aber wieder gestiegen. Dies liegt auch daran, dass das Netz nicht nur nach innen kommuniziert und die Qualitätszirkelarbeit intensiviert. Das MPN präsentiert die Arbeit der Praxen etwa auf einer Gesundheitsmesse und organisiert die Teilnahme an gesundheitspolitischen Veranstaltungen und Protesten. Neumünsters Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek begrüßte, dass die Ärzte im Verbund arbeiten. Zugleich verband er damit die Hoffnung, dass sich über die Kooperation die Wartezeiten auf Facharzttermine verkürzen lassen.

Quelle: Ärzte Zeitung online vom 04.12.2008