Südbrandenburg erprobt IV-Vertrag der neuen Art

Potsdam/Elsterwerda, 09.10.2008: Viele Integrationsverträge laufen zum Jahresende aus. Dagegen nimmt in Südbrandenburg ein neuartiges Modell der Integrierten Versorgung gerade richtig Fahrt auf. Geplant ist eine sektorübergreifende Vollversorgung.

Ein halbes Jahr nach dem Start wirken 55 niedergelassene Ärzte verschiedener Fachrichtungen an dem Modell mit. Mehr als 3600 Patienten sind eingeschrieben. Unter dem Titel ProMedPlus hat das Ärztenetz Südbrandenburg (ANSB) Integrationsverträge mit der Barmer Ersatzkasse und AOK Brandenburg geschlossen. Sie sollen den Patienten perspektivisch eine integrierte Vollversorgung in der unterversorgten Region bieten.

Die hohe Beteiligung der Patienten führt ANSB-Geschäftsführer Dr. Andreas Hagenow auf zwei Faktoren zurück. Zum einen hat es lang gedauert, bis das Projekt starten konnte. "Die Netzärzte wollten das schon vor drei Jahren. Sie haben gleich nach Vertragsabschluss losgelegt", Dr. Hagenow.

Zum zweiten ist das ANSB bei Patienten der Region bereits bekannt. "Wir haben in den regionalen Medien deutlich gemacht, dass es für die Zukunft der Medizin auch unter Mangelbedingungen Perspektiven gibt", so der Hausarzt-Internist aus Elsterwerda. Er zeigt sich überzeugt: "In ländlichen Regionen müssen für Vollversorgung alle zusammenwirken." Daher tauschen sich Niedergelassene mit der Klinik und den beteiligten Kassen regelmäßig aus.

Zur effizienten Strukturierung der Kommunikations- und Behandlungsprozesse über räumliche Entfernungen hinweg baut das Netz eine IT-Plattform auf - das ist Phase 1 des Projekts. Bislang sind dort nur die Patientenstammdaten erfasst. Ab Jahresanfang 2009 kommen Behandlungsdaten hinzu. Sie sind mit Behandlungspfaden verbunden. So soll eine abgestimmte interdisziplinäre Behandlung nach medizinischen Standards gewährleistet werden.

Geplant ist, dass im Januar Behandlungspfade für Diabetes, Koronare Herzkrankheit und Arthritis-Früherkennung starten. Ab Herbst 2009 will das ANSB in Phase 2 übergehen: die ambulante Vollversorgung mit Budgetbereinigung. Die KV Brandenburg ist über ihre Tochter KVComm einbezogen.

Quelle: Ärzte Zeitung online vom 09.12.2008